Bauleiter 2.0

Donnerstag, Oktober 25, 2012

Heute morgen habe ich den Maurern routinemäßig einen Besuch abgestattet, um mal zu sehen, ob schon was von der Bordüre zu sehen war. Gegen halb 10 noch nicht, sie muckelten so vor sich hin. Den Murreweynstein wollten sie auch noch nicht haben, morgen auch noch nicht. (“Du bringe Monntack”) Ich erfuhr, dass sie dann heute auch gedachten, gegen 13 Uhr Feierabend zu machen. Anruf beim Maurer-Chef: “Wieso 13 Uhr? Die könnten doch auch mal den ganzen Tag arbeiten, so langsam wie sie gerade vorankommen.” – “Nee, nee, der eine Maurer baut sich gerade selbst ein Haus und da müssen die Kollegen halt helfen”.  Sehr sozial und kumpelhaft – hätten wir gerade einen Bauleiter parat, könnte ich dem das ja mal petzen berichten. Aber der alte ist krank und der neue hat sich immer noch nicht gemeldet, langsam wird es mal wieder zu bunt.

Von daher: Punkt 15 Uhr in der ECO-Zentrale anrufen, mit forschem Ton jemanden von der Geschäftsleitung fordern, BINGO! Tatsächlich bekomme ich jemanden an die Strippe, dem ich die Gesamtproblematik schildern kann, ich habe sogar das Gefühl, hier auf offene Ohren zu stoßen. Zum einen fand er meine Klage über die phlegmatischen Klinkerer recht interessant, zum anderen erfuhr ich an dieser Stelle auch, dass unserem alten Bauleiter gekündigt wurde – hm. Weg ist er, besonders überrascht bin ich nicht, denn sehr zuverlässig nahm er seine Aufgaben in letzter Zeit (bzw. im Allgemeinen) nicht wahr. Und mir wurde weiterhin versichert, dass die Geschäftsleitung schnellstmöglich den Kontakt zum Nachfolger herstellen werde.

Tatsächlich: prompt klingelte eine halbe Stunde später das Telefon und der neue Bauleiter Herr Thomsen war dran. Puh. Er hatte aufgrund der Übernahme diverser Projekte bisher noch keine Zeit, sich in unser Projekt einzuarbeiten, wollte aber erst einmal die wichtigsten Eckdaten und Probleme hören, morgen oder am nächsten Mittwoch ist dann das erste Treffen samt Krisengespräch anberaumt worden. Bin mal gespannt, was jetzt alles besser wird, viel kriechender als in den letzten zwei Wochen kann es kaum werden. Und bis zur Eiszeit ist es nicht mehr lange hin.

Theorie (vorne) und Praxis (hinten)

Am Abend wollten wir dann nach diesem ganzen Tohuwabohu noch was Schönes sehen, neugierig pilgerten wir zur Baustelle und sahen…ZIERMAUERWERK! Doch die anfängliche Freude löste sich recht schnell in Ärger auf, da die Ausführung mächtig zu wünschen übrig ließ: die Ziersteine im Band waren seltsam schräg und nicht etwa im 45° Winkel zueinander gerichtet, außerdem gab es erhebliche Unterschiede, was die Mauertiefe anging (pendelte zwischen 4 und 8 cm), das sah ziemlich unregelmäßig aus. Wir haben dann noch mal unsere Vorstellung davorgestapelt (die wir auch nur 3x mit den Maurern besprochen hatten, auch der Begriff “Fümmenfierzichgrad” war hierbei mehrfach gefallen – morgen bringe ich ein Geodreieck mit. Daheim gleich die bebilderte Beschwerdemail an Sacik formuliert, mit der Forderung des Abbruches der letzten vier Reihen und Neuerstellung wie besprochen. Und morgen früh gleich mal auffe Baustelle aufkreuzen.

Allmählich, nach eineindrittel Jahren, gelange ich zu der Erkenntnis, dass das Schreiben dieses Blogs durchaus etwas Therapeutisches hat: ich setze mich in letzter Zeit oft abends mit einem dicken Hals und bockwurstförmigen Halsschlagadern zum Hasspredigen Schreiben hin, will dabei nur rasch ein paar knappe, zornige Sätze in die Tasten hacken um meinem Ärger Luft zu machen und die erlebten Absurditäten der Nachwelt zu erhalten. Doch dann schreibe ich schlussendlich viel mehr als geplant und fühle mich am Ende eines Artikels viel besser als zuvor.  Aaah,  Amen.